Log in
Aktualisiert: 20:04 | 9. November 2020

Heckler & Koch wehrt sich gegen schlechte Beurteilung des G36

  • geschrieben von Susanne Hagel
  • Freigegeben in Politik
Heckler & Koch Logo Quelle: Heckler & Koch Heckler & Koch Logo

Berlin - Die Herstellerfirma des in die Kritik geratenen Sturmgewehrs G36, Heckler & Koch, widerspricht dem sehr schlecht ausgefallenem Gutachten der Bundeswehr, welches die Treffsicherheit der Waffe untersuchte.

Es gebe „erhebliche Zweifel an der technischen Glaubwürdigkeit der Versuchsdurchführung und der hieraus abgeleiteten Schlüsse“, erklärte das Unternehmen. So seien von den Gutachtern etwa technisch nicht vergleichbare Gewehre anderer Waffenhersteller zum Vergleich genutzt worden und eine Variante des G36, das MG36, sei von der Wehrtechnischen Dienststelle der Bundeswehr in Meppen gänzlich unberücksichtigt geblieben.

Den Testbericht selbst habe der Waffenproduzent jedoch noch nicht lesen können. Nach Aussage des Verteidigungsministeriums liegt dieser erst seit letztem Freitag vor und wurde noch nicht veröffentlicht. Heckler & Koch fordert Einsicht in das Dokument.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Eigentümer der Firma, Andreas Heeschen, die Vorwürfe, das G36  sei nicht treffsicher, zurückgewiesen. „Ich bin sicher: Die Wahrheit kommt ans Licht. Es kann einfach nicht sein, dass nun nach zwanzig Jahren entdeckt wird: Das Gewehr taugt nichts.“ Das G36 sei „zu hundert Prozent einsatzfähig“.

Die Experten des Gutachtens im Auftrag des Verteidigungsministeriums, welches das Gewehr, welches größtenteils aus Kunststoff besteht, testeten, kamen jedoch zu dem Schluss: „Das Waffensystem erfüllt die Forderungen nicht.“  Die Treffsicherheit nehme bei Temperaturveränderungen um dreißig Grad bis zu einer Quote von nur noch sieben Prozent ab – dabei fordert die Bundeswehr neunzig Prozent. „Ursächlich für die sinkende Trefferwahrscheinlichkeit ist (…) das Gesamtsystem“, so die Gutachter. Jedoch sei es technisch möglich, die Fehler zu beheben.

Heeschen signalisierte bereits Bereitschaft: „Über Veränderungen an unseren Produkten kann immer geredet werden. Das ist unser tägliches Geschäft, wir sind da flexibel und gut. Das wäre natürlich auch beim G36 möglich, dazu muss nur ein Wille da sein. Wir sind jederzeit bereit. Für uns zählt alleine der Soldat.“ Zugleich kündigte er aber rechtliche Schritte an, sollte sich nach Einsicht der Unterlagen herausstellen, dass „die Untersuchungen nicht rechtmäßig durchgeführt wurden“.

Das Verteidigungsministerium prüft unterdessen, ob die Möglichkeit einer Schadenersatzklage gegen Heckler & Koch bestehe. Zurzeit werden in der Bundeswehr noch 167.000 Sturmgewehre dieses Typs genutzt. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte bereits im März ein Präzisionsproblem bei hohen Temperaturen beklagt. Nun solle ein Expertenkommission unter Leitung von Winfried Nachtwei (Grüne) bis Oktober dieses Jahres prüfen, ob Soldaten durch die Präzisionsprobleme das G36 gefährdet worden sind.

Letzte Änderung amDonnerstag, 23 April 2015 17:37
Mostly Cloudy

2°C

Frankfurt

Mostly Cloudy

Humidity: 83%

Wind: 11.27 km/h

  • Mostly Cloudy
    03 Jan 2019 3°C -1°C
  • Cloudy
    04 Jan 2019 4°C 1°C