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Aktualisiert: 16:57 | 7. July 2019

Unregelmäßigkeiten bei Herztransplantationen am Herzzentrum Berlin bestätigt

  • geschrieben von Susanne Hagel
  • Freigegeben in Wirtschaft
Screenshot Quelle: dhzb.de Screenshot

Berlin - Wie bereits erwartet, bestätigte die Bundesärztekammer die Manipulationen bei Organtransplantationen am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB). Die Fälle aus den Jahren 2010 bis 2012 seien mittlerweile überprüft und hätten sich größtenteils bestätigt.

Nachdem erste Verdachtsfälle im August diesen Jahres auftauchten, liegt nun der Bericht der Prüfungs- und Überwachungskommission der Bundesärztekammer offiziell vor. Demnach seien dreizehn Spenderherzen unrechtmässig transplantiert worden. Die Organe gingen an Patienten, die nach den deutschlandweit gültigen Kriterien noch nicht schwer genug erkrankt waren, um ein Anrecht auf eine Transplantation zu haben. Offenbar wurde ihnen von den Ärzten vorschnell der "HU-Status" (high urgency/hochdringlich; das heißt, ohne eine Transplantation würde innerhalb kürzester Zeit der Tod eintreffen) vergeben. Außerdem wiesen die Kontrolleure nach, dass an mehrere Patienten "punktgenau" vor der Vergabe dieses Status eine massive Erhöhung ihrer Medikamentendosis durchgeführt worde, vermutlich um die Dringlichkeit der Operation zu erhöhen.

Die Klinik habe bereits ihr Bedauern ausgesprochen, verweist bei der Suche nach Schuldigen aber ausschließlich auf eine bereits suspendierte Oberärztin. Experten bezweifeln diese Aussage jedoch: "Man kann sich schlecht vorstellen, dass eine Ärztin alles allein gemacht haben soll - und dass niemand etwas gemerkt hat." Im Bericht heißt es, "es ist nicht einsichtig, warum das DHZB auf eine einzuholende Stellungnahme der Oberärztin verweist, statt eine eigene abzugeben."

Als Motiv vermutet die Staatsanwaltschaft medizinischen Ehrgeiz und hat Strafanzeige wegen versuchten Totschlages gestellt. Da durch die Manipulationen der Akten andere Patienten benachteiligt worden, sei dieses Vorgehen gegeben. Das DHZB hatte die Vorfälle zwar selbst angezeigt, jedoch erst nachdem Prüfer zwischen April und Juli immer neue Anzeichen für eine unlautere Organvergabe fanden. Man gehe jedoch nicht davon aus, auch nach dem Zeitraum ab Sommer 2012 noch Aktenfälschungen zu finden. Zu diesem Zeitpunkt wurde in Göttingen der erste Skandal in Verbindung mit Lebertransplantationen aufgedeckt und seither die Kontrollvorschriften massiv verstärkt, so die Prüfer.

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